1. Steampunk Jahrmarkt

Bitte, was ist Steampunk? Diese Frage habe ich mir letzten Donnerstag noch gestellt, als ich bei facebook über eine Freundin eine Einladung zum ersten Steampunk Jahrmarkt am 28. Februar 2015 bekam.
Sollte da wirklich eine Subkultur an mir vorbei gezogen sein?
Aber mein größter Freund, Google, wusste weiter und verschaffte mir die nötigen Informationen. Insbesondere die Google-Bildersuche hat mich dann überzeugt und so fragte ich meinen Mann, der auf dem Sofa neben mir saß: „Samstag abend: Steampunk Jahrmarkt?“
Er: „Wo?“
Ich: „Jahrhunderthalle“
Er: „Iss’n die?“ (Ich muss fairerweise dazu sagen, dass wir ja noch nicht so lange im Pott wohnen und die Fähigkeit, sich Locations zu merken, nicht zu den Kernkompetenzen meines Mannes gehört ;-) )
Ich: „Bochum“
Er: „Jo, könn wa hin.“

Gut, das hatten wir dann schon mal geklärt. Leider war die Zeit zu knapp, sich noch ein anständiges Steampunk-Kostüm zu basteln, wir gingen also in zivil.

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Als wir aus dem Parkhaus kamen, bekam ich Schnappatmung.
Eine riesige Menschentraube stand vor dem Eingang der Halle und mein erster Gedanke war: vor zwei Stunden wird das nichts.
Fast hätte ich auf der Stelle umgedreht, denn wenn ich eines hasse, ist es, lange in einer Schlange anzustehen.
Aber es ging erstaunlich schnell voran, nach etwa einer halben Stunde waren wir im Foyer.

An dieser Stelle mein Dank an das Team der Jahrhunderthalle, der Einlass war echt gut organisiert!

Im Foyer sah ich die ersten Gewandeten und schon war ich auf fantastischer Zeitreise.
Nicht nur die typischen Steampunk-Brillen waren überall zu sehen, viele hatten unglaublich aufwändige und fantasievolle Kostüme, mit bunt leuchteten Steam-Tanks auf dem Rücken, wie transportablen Zeitmaschinen, die den Anschein von dampf- und zahnradgetriebenen Mechanik hatten.

 

 

 

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Pünktlich um 19:30 Uhr öffneten die Türen zur Halle und alles, was ich sagen konnte, als ich die Halle betrat, war ein „Wow!“

Die Halle war stimmungsvoll beleuchtet und mein erster Blick fiel auf das historische Kettenkarussell.

Keine Frage, da wollte ich mit fahren und so drehte ich mich eine Runde lang, bis bis mir leicht schwindelig wurde, ließ die Beine baumeln und mir die Fahrtluft um den Kopf wehen und fühlte mich wie damals, als ich noch ein kleines Kind und zum ersten Mal auf einer Kirmes war.

 

 

 

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Bis auf den Flohzirkus haben wir kein Fahrgeschäft ausgelassen:
wir haben uns in der Geisterbahn gegruselt, sind mit den Autoscootern zusammen gekracht, haben in der Raupenbahn geknutscht, nachdem sich die Abdeckung über uns geschlossen hatte, haben aber leider den Looping in der Schaukel nicht geschafft und haben uns im Spiegelkabinett halb totgelacht. Mein persönliches Highlight aber war „Evas Fahrt ins Paradies“, eine Berg- und Talbahnt aus dem Jahr 1939!

 

 

 

Vom Veranstalter wurde bereits im Vorfeld bekannt gegeben, dass das Fotografieren ausdrücklich erlaubt sein wird. Entsprechend waren viele Fotografen anwesend, sowohl mit großem, schweren Gerät aber auch mit Handykameras.
Motive gab es mehr als genug: die Fahrgeschäfte waren schon so manchen Auslöser wert aber natürlich waren die gewandeten Steampunks das Highlight des Abends.

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Ich hätte noch Hunderte von Bildern machen können, habe mich aber stark zurück gehalten.  Zum Einen, weil mir mit meiner 50mm Festbrennweite gewisse Grenzen gesetzt waren (keine Ahnung, welcher Teufel mich geritten hatte, ausgerechnet dieses Objektiv drauf zu setzen) und zum Anderen, weil ich den Abend mehr mit den Augen und allen anderen Sinnen genießen wollte, statt durch den Sucher zu schauen. Manchmal steht das Erleben halt vor dem Festhalten.

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Nun hoffe ich auf eine Wiederholung im nächsten Jahr und werde mir bis dahin ein stilechtes Steampunk-Kostüm basteln. Ich bin sicher, in einem entsprechenden Gewand wird das doppelt so viel Spaß machen.

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Jana Sandner

Extraschicht 2014 – Eine Tour, vier Orte

Die Extraschicht 2014 bestritt ich mit zwei Mitgliedern der IGRuhrPOTTFotografie, die mich spontan gefragt hatten, ob ich bei ihnen mitfahren wollte. Gesagt, getan, und so fanden wir Drei uns am frühen Abend am Wattenscheider Bahnhof ein, wo unsere Tour begann. Erster Halt war das rewirpowerSTADION des Fußballvereines VFL Bochum.

Als wir um kurz vor 17.30 Uhr dort eintrudelten, herrschte noch gähnende Leere im und um das Stadion herum. Nachdem wir schließlich am hinteren Eingang einige Extraschicht-Volunteers trafen, wurden wir jedoch von ihnen wieder zurück zu dem Eingang geschickt, bei dem wir geparkt hatten. Dort wurde die Schlange hinter uns binnen kurzer Zeit immer länger. Als schließlich gegen 18 Uhr die Menge hineingelassen wurde, staunten wir nicht schlecht, dass von der anderen Seite – also dort, wo wir weggeschickt wurden – nun auch eine Menschenmasse in das Stadion strömte. Das Interesse am Rundgang durch die Katakomben war also riesig. Im Hinterhof des Stadions staute sich die Menge dann noch einmal ganz schön, da immer nur rund 15 Personen in die „Katakomben“ gelassen wurden.

Extraschicht 2014 - Beleuchteter Gang im rewirpowerSTADION

Extraschicht 2014 – Beleuchteter Gang im rewirpowerSTADION

Zum Glück ging es bei leichtem Nieselregen relativ zügig voran. Allerdings war der eigentliche Rundgang durch die Katakomben, der die Gästekabine, Vereinskabine, Presseraum, Warteraum und den beleuchteten und teilweise wie einen Grubenschacht gestalteten Gang in Richtung Fußballplatz (den man jedoch leider nicht betreten durfte) sowie Café umfasste, auch nicht sonderlich spektakulär. Wir hatten uns bei der Bezeichnung „Führung durch die Katakomben“ doch etwas mehr erhofft – z.B. auch die technischen Räume besichtigen zu können.

So waren wir jedenfalls recht schnell durch mit der ersten Station. Eigentlich hatten wir geplant, im Anschluss an den Stadionbesuch direkt zum Feuerwerk auf Zeche Ewald zu fahren. Aber da wir nun noch sehr viel Leerlauf hatten, entschieden wir uns kurzerhand, zuvor noch einen Zwischenstopp beim Chemiepark Marl einzulegen. Dort angekommen hatten wir – womöglich das erste und letzte Mal an diesem Abend – Glück und bekamen die letzten drei Plätze für die Busrundfahrt um 20.30 Uhr.

Die Fahrt begann äußerst vielversprechend: Ein ehemaliger Mitarbeiter gab einige wissenswerte und zum Teil durchaus komplizierte Dinge zum Chemiepark zum Besten, während der Bus langsam durch die riesige Anlage fuhr. Leider wurde die Fahrt dann durch ein kotzendes Kind, das, wie der Teufel so will, direkt neben mir saß, jäh – Achtung Wortspiel – unterbrochen. Nachdem das Kind sich erst im Bus und dann draußen komplett entleert hatte (O-Ton der Mutter: „Das hat er noch nie gemacht. Aber er hatte eben erst Bratkartoffeln“), ging es zügig zum Zwischenstopp, einem leerstehenden ehemaligen Bürohaus auf dem Gelände. Mit ächzenden Aufzügen, die laut Aussage des Ex-Mitarbeiters trotz des Leerstands noch regelmäßig gewartet werden, ging es in die neunte Etage, von wo aus man einen grandiosen Rundumblick auf den gesamten Chemiepark hatte. In einem waren wir Drei uns sicher einig: Wie gerne hätten wir von hier oben Fotos gemacht. Leider war das Fotografieren im gesamten Chemiepark Marl nicht erlaubt, was wirklich sehr, sehr schade war, denn die vielen verzweigten kleinen und großen Rohre, Tanks und komplexen Gebäude boten eine Vielzahl möglicher Motive.

Nach einigen weiteren informativen Erklärungen zum Chemiepark, ging es wieder hinunter und zum Bus, wo der Busfahrer inzwischen die Bratkartoffeln – oder besser: das, was davon übrig war – weitgehend beseitigt hatte (Kommentar von ihm hierzu: „Jetzt bin ich erstmal satt!“). Wir waren heilfroh, nach der Rückfahrt zum Startpunkt, den Bus verlassen zu können!

Eigentlich konnte der Abend jetzt nur noch besser werden. Oder? Nunja, wie man es nimmt. Dritte Station war, wie bereits oben angedeutet, die Zeche Ewald in Herten, wo wir das Feuerwerk von der Halde Hoheward aus fotografierten.

Extraschicht 2014 - Feuerwerk auf Zeche Ewald

Extraschicht 2014 – Feuerwerk auf Zeche Ewald

Frühzeitig erklommen wir die Halde ein Stück weit, um einen möglichst guten Blick auf die beiden Fördertürme zu haben, zwischen denen das Feuerwerk hochgehen sollte. Kurz vor 22 Uhr rasten – ohne großartige Ankündigung – noch einige Fahrradfahrer in Lichter-Outfits die Halde herunter, so dass wir gezwungen waren unsere schön eingestellten Kameras und Stative vom engen Weg wegzunehmen, damit sie nicht von den Bikern über den Haufen gefahren wurden.

Kurze Zeit später startete dann das mit allerlei Musik untermalte Feuerwerk, doch so ganz erfüllte das Feuerwerk unsere Erwartungen nicht. Ein Großteil der Effekte wurde nämlich nur auf dem Boden gezündet. Die vielen Fontänen und Kreisel in Bodennähe sorgten jedoch für so viel Rauch, dass die wenigen Knaller, die über der Zeche gezündet wurden, im Rauch, der Dank völliger Windstille gar nicht abzog, beinahe untergingen. Zu allem Überfluss wurde auch noch die Beleuchtung der beiden Fördertürme weitgehend heruntergefahren, so dass es doch einiger fotografischer Kniffe bedurfte, wenigstens ein paar halbwegs ansehnliche Fotos zu schießen.

Nach dem – aus fotografischer Sicht – doch etwas enttäuschenden Feuerwerk ging es dann zu später Stunde noch schnell zum Nordsternpark in Gelsenkirchen, wo wir uns die tolle Lasershow im Amphitheater anschauten.

Extraschicht 2014 - Lasershow im Nordsternpark

Extraschicht 2014 – Lasershow im Nordsternpark

Wenigstens hier wurden wir nicht enttäuscht und die effektvolle Vorführung inklusive einiger Pyro-Effekte und einer Tanz-/Akrobatikeinlage entschädigte ein wenig für unsere Erlebnisse an den ersten drei Standorten. Abschließend wurde noch die schön bunt beleuchtete Zeche Nordstern abgelichtet, bevor wir uns auf die Heimreise machten.

Letztlich kann man wohl sagen, dass unsere Tour im Rahmen der Extraschicht 2014 genauso war, wie der Ruhrpott selbst: Nicht perfekt, aber vielseitig, farbenfroh und voller unerwarteter Erlebnisse. ;) In diesem Sinne: Bis zum nächsten Jahr!

Extraschicht 2014 - Beleuchtete Zeche Nordstern

Extraschicht 2014 – Beleuchtete Zeche Nordstern